Die unbemerkte Fusion

Seit dem 1. Juli gibt es nicht mehr vier deutsche Franziskaner-Provinzen, sondern nur noch die eine von der Hl. Elisabeth. Ein historischer Schritt und die ehrwürdigen Namen der alten Provinzen (Saxonia, Thuringia, Colonia, Bavaria) sind jetzt nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden, wenn überhaupt. Denn mir fällt auf, dass sich dieser historische Zusammenschluss praktisch unbemerkt von den deutschen Medien abgespielt hat. Da gab es eine Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA), die man z.B. bei Radio Vatikan und beim domradio findet. Und weil der neue Hauptsitz der Franziskaner in München ist, hat immerhin auch das Münchener Kirchenradio berichtet, allerdings ist das nicht besonders vielsagende Interview mit dem neuen alten Provinzial Norbert Plogmann zur Zeit nur im google-Cache zu finden.

Ernüchternd finde ich auch, dass die KNA-Meldung gleich als erstes von der “Vereinigung der Vermögenswerte” spricht. Und auch das darauf folgende Stichwort “Festakt” klingt mir persönlich ein bisschen zu edel und vornehm für den “zweitgrößten katholischen Männerorden” nach den Benediktinern, bei dem es sich immerhin um die Minderbrüder des Ordo Fratrum Minorum (OFM) handelt. Als Gründe für den Zusammenschluss werden angegeben “die Überalterung des Ordens” und der “Wunsch, durch eine Bündelung der Kräfte neue Gestaltungsspielräume zu bekommen”. Worum es dabei gehen kann, wird nicht weiter ausgeführt. Leider.

In den deutschen Zeitungen habe ich nur 8 Zeilen in der Süddeutschen (SZ) gefunden, wo im Regionalteil “München City” mit der Schlagzeile “St.-Anna-Kloster ist Franziskaner-Zentrale” darüber berichtet wird, dass das Kloster vor zwei Jahren für zehn Millionen Euro umgebaut wurde und sich nun mit “attraktiven Gäste- und Tagungsräumen” perfekt für den Hauptsitz der Franziskaner eignet, zumal die Gemeinschaft nur in Bayern den Status der Körperschaft des Öffentlichen Rechts genießt, was Steuervorteile bringt (sic!). Ich lasse das mal so stehen … und bin ratlos, wieso es nicht mehr über die Franziskaner zu berichten gibt als ausgerechnet das?!

Ich frage mich überhaupt, wieso dieser historische Zusammenschluss offenbar nur auf lokaler Ebene, also für München, interessant zu sein scheint und ansonsten von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird? Ist das nun ein Zeichen dafür, dass die Franziskaner im Stillen wirken und einfach niemand das bemerkt oder bemerken soll? Oder ist es vielmehr so, dass der Orden des Hl. Franziskus, was den OFM-Zweig angeht, in Deutschland mehr mit sich selbst beschäftigt ist und daher wenig Aufsehen erregt – es gibt weder offene Zustimmung noch gibt es Gegenwind! Was heißt das?

Und wenn selbst der sonst so kirchenfreundliche Bayerische Rundfunk rund um den Fusionstermin nicht über denselben berichtet, sondern von Bruder Martin, der den Idealen des Franz von Assisi, “den selbstlosen Einsatz für kranke, arme und ausgestoßene Menschen”, nacheifert – allerdings außerhalb des Ordens, dann verfestigt sich bei mir der Eindruck, dass da irgendwas nicht stimmt mit dem OFM in Deutschland.

Über Janko

Videojournalist, Theologe
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