Der Zölibat gehört uns!

In diesen Tagen wird viel über den Zölibat der Priester gesprochen und es gibt viele, die seine Abschaffung fordern. Von anderer Seite erschallt dann umso vehementer der Ruf: “Der Zölibat muss bleiben!“, wie z.B. bei Bruder Paulus. Er versucht eine Begründung des Zölibats für Priester und Bischöfe aus dem Pfingstereignis, das für die Gemeinschaft mit Gott und dem Auferstandenen stehe und damit wesentlich sei für den Zölibat – so würde ich das in meinen Worten sagen. Wirklich verstanden habe ich nicht, was Bruder Paulus da eigentlich sagen will, was nicht auch ohne Pflichtzölibat ginge.

Es gibt sicher eine Menge guter Gründe für die Verbindung von Amt und Zölibat. Die Ordensleute sind ein lebender Beweis dafür: Die frei gewählte Ehelosigkeit um des Evangeliums willen ist eine Art subversiver Protest gegen jede Vergötzung von Sexualität. Das finde ich interessant. Ähnliches gilt für das Armutsgelübde, denn es zeigt, dass wirklicher Reichtum nicht aus Eigentum kommt, sondern von Gott her, d.h. aus der Würde des Menschen und damit wird die freigewählte Armut zu einem Zeichen der Solidarität mit denen, die nicht genug zum Leben haben – es ist eben aus christlicher Sicht nicht nur jeder für sich selbst verantwortlich. Und letztlich hat auch das Gehorsamsgelübde etwas damit zu tun, dass die eigene Macht und der eigene Wille nicht alles sind, sondern sich – wie gesagt – hörend auf Gott und die anderen ausrichten müssen.

Es gibt aber keine Gründe für den Zölibat als verpflichtende Zugangsvoraussetzung zum Amt. Im Gegenteil: Es sollte jede Mystifizierung oder gar mythische Überhöhung des Priesteramtes vermieden werden. Was hat das mit dem Evangelium zu tun? Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Frage, warum Franz von Assisi nie die Priesterweihe empfangen hat.

Gegen das Konzept der evangelischen Räte – und gegen jede theologische Vernunft – verstößt jedenfalls der immer wieder für den Zölibat ins Feld geführte und auch noch hochgepriesene katholische Workoholismus: Ein katholischer Amtsträger übe eben einen Beruf aus, der so anstrengend und zeitraubend sei, dass er sich nicht auch noch um eine Familie kümmern könne. Das geht weit über das hinaus, was Paulus in 1Kor 7 sagen wollte, wenn er die Ehelosigkeit über die Ehe stellt und klingt eher nach einem Missbrauch des Zölibats.

Ich würde daher im Streit um den Zölibat sagen: Der Zölibat gehört allen Gläubigen, egal wo wir jeweils in der Kirchenhierarchie stehen. Und er gehört vor allem auch den Ordensleuten! Der Zölibat ist ein persönliches Charisma und selbst der Apostel Paulus, der die Ehelosigkeit so hochpries, stellt sie frei (vgl. z.B. 1Kor 7). Es sollte also jeder Christ und jeder Katholik selbst entscheiden können, wie er leben will und kann. Das würde dem Zölibat wieder zu der Bedeutung und Kraft verhelfen, die er durch die Fixierung auf das Amt eingebüßt hat. Wahrscheinlich fürchten viele einen Profilverlust, wenn der Zölibat nicht mehr über den Zugang zur Hierarchie entscheidet, aber vielleicht würde dann endlich wieder mehr vom Evangelium her gedacht und weniger von der Hierarchie her.

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Über Janko

Videojournalist, Theologe
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8 Antworten zu Der Zölibat gehört uns!

  1. Ralf schreibt:

    Es geht allesohne Pflichtzölibat.

    Es geht auch alles ohne Kirchengebäude.

    Abreißen? Wohl kaum.

    Ist Ultilitarismus wirklich die beste Herangehensweise?

  2. Janko schreibt:

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil: Es geht nicht um das Ende des Zölibats, sondern um die Freistellung. Wer glaubt, dass das einem Ende des Zölibats gleichkäme gibt nur Zeugnis seiner Kleingläubigkeit. Im Übrigen geht es ja tatsächlich ohne Kirchengebäude, aber deshalb würde ja niemand auf die Idee kommen, keine zu bauen. Auf der anderen Seite kann man den Gottesdienst doch nicht an eine Gebäude binden, sondern er muss an die Gemeinde gebunden sein!
    Meine Auffassung hat außerdem wirklich nichts mit Utilitarismus zu tun. Im Gegenteil: Ich bin ja gerade gegen die Argumentation, der Zölibat sei die am besten geeignete Lebensform für den Priester, der 7 Tage 24 Stunden im Einsatz sein muss. Das wäre doch Utilitarismus.
    Der Zölibat muss wieder das werden, was er ist: Ein Charisma, das Zeugnis gibt vom Evangelium.

  3. Ralf schreibt:

    Ich glaube nicht, daß er was anderes ist. Seit dem Konzil von Elvira wird er empfohlen, das war schon noch arg früh (und hat sich eben nur im Westen durchgesetzt). Die Kirche hat natürlich jedes Recht, vor allem auch aufgrund ihrer Erfahrung mit dem Zölibat, für den lateinischen Ritus an ihm festzuhalten. Sie sagt eben, daß dieses Charisma mit dazugehört im Priesteramt für die lateinische Kirche. Sicher, sie könnte das jederzeit ändern, aber ich sehe den zwingenden(!) Grund nicht.
    Die Kirche ist gut beraten, nur absolut Notwendiges zu ändern, wenn sie sich dafür bevollmächtigt sieht. Das erste, das absolut Notwendige, sehe ich beim Zölibat nicht.

  4. Janko schreibt:

    Ich sehe den “zwingenden” Grund ja auch nicht: Niemand sollte gezwungen werden, jeder sollte dürfen.
    Ich will Dir das Wort nicht im Mund umdrehen, aber Du drehst es mir um: Ich will den Zölibat ja überhaupt nicht abschaffen oder ändern und die Empfehlung eines Konzils finde ich völlig ok. Aber gerade weil es keine zwingenden Gründe gibt, das Amt mit dem Zölibat zu verknüpfen, könnte man es auch lassen und zwar vielleicht auch aus dem schlicht und ergreifenden Grund, dass es sich sehr viele Gläubige wünschen.
    Und P.S.: Wenn das nur im deutschsprachigen Raum geschieht, wäre mir das auch recht. Warum sollten alle Ortskirchen mit solchen praktischen Fragen immer in der gleichen Weise umgehen? Und gerade im deutschsprachigen Raum ist der Wunsch nach Änderung auf diesem Gebiet sehr groß. Im Übrigen schließe ich mich da dem Erzbischof von Bamberg an, der über Änderungen beim Zölibat nachdenkt, ebenso wie der Kardinal von Mainz. Das sind ja nicht ganz unwichtige katholische Persönlichkeiten, oder? Da darf man doch mal ins Mitdenken kommen.

  5. Ralf schreibt:

    Ich habe ja gar nichts gegen Denken, im Gegensatz zu manch anderen finde ich das auch nicht schlimm, wenn der einen oder andere Bischof die Abschaffung des Zwangszölibates fordert. Das ist eine Frage der Kirchendisziplin und nicht des Glaubens. Die katholischen Ostkirchen zeigen uns, wie man mit verheiratetem Klerus katholisch sein kann.
    Das ist nicht der Punkt.
    Fordern kann das jeder, von mir aus auch viele Jahre lang. Ich sehe nur nicht, warum man der Forderung nachgeben soll.
    Und da die Kirchendisziplin an den Ritus gebunden ist, ist es eben eine Sache der lateinischen Gesamtkirche.

    Außerem kann ich da die Bischöfe nciht für so ganz voll nehmen.

    Sollen sie doch Verheiratete weihen! Was würde passieren?

    Die Verheirateten sind geweiht, das definitiv. In Rom würde es zu verschärftem Schnupfen kommen, das auch. Der Bischof würde – obwohl ich das nicht glaube – maximal seine Position als Ortsbischof verlieren. Ja und?

    Die Bischöfe sollen doch einfach tun, wovon sie überzeugt sind und nicht immer nach Rom schielen!

    Da sie es aber nciht tun, haben sie entweder Schiß oder sind selber nicht davon überzeugt und es ist eine Marketingaktion à la “die Bösen sitzen in Rom”. Und beides wäre ziemlich erbärmlich.

  6. Anonyma schreibt:

    Es ist erwiesene Tatsache, daß die Scheidungsrate unter den evangelischen Pfarrern weit höher ist als die unterm “Fußvolk”. Alle ev. Bischöfinnen sind geschieden. Das spricht meiner Meinung nach ganz deutlich FÜR den Zölibat. Auch wenn’s da doch auch Kinder gibt. Aber trotzdem – so ist es mir lieber. Und es wird ja auch niemand gezwungen, Priester zu werden. Es gibt so viele Möglichkeiten ehrenamtlich und auch hauptamtlich – und auch als FRAU! in gehobener Stellung mitzumischen, mitzureden.
    Nein, ich möchte – möglichst – keinen verheirateten katholischen Priester sehen. Austrittsgrund wäre das für mich allerdings auch nicht. Da muß es schon noch schärfer kommen …

  7. gregoriusbraun schreibt:

    “Weit davon entfernt, eine Disziplin rein kirchlichen und damit menschlichen Ursprungs und somit revidierbar zu sein, ist der Zölibat tatsächlich eine Praxis, die auf Jesus und seine Apostel zurückgeht, bevor sie in eine förmliche Vorschrifft gefasst wurde. Mithin gehört der Zölibat zur Tradition der Kirche wie viele andere Teile des Glaubens und des christlichen Lebens.” -Kardinal Stickler

    Für mich ist der Zölibat für Priester nicht verhandelbar, auch wenn ich somit selbst vermutlich kein Priester werden kann, obwohl ich mich danach sehne.

    Was ich aber viel interessanter an deinen Beitrag finde ist die Idee des (Enthaltsamkeits)-Zölibats für Laien. Es gab immer wieder Laiengemeinschaften mit Enthaltsamkeitsgelübde, das ist durchaus etwas was fest in der Tradition der Kirche verankert ist. Nur in der heutigen Zeit ist dazu nicht der Nährboden bereitet. Dennoch oder gerade deshalb ist es eine wirklich katholische Sache.

  8. Pingback: Sexverbot – das Kreuz mit dem Zölibat « der andere franz

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